Weihnachten mit Ängsten

17.12.2020

Wenn Weihnachten Angst macht – So wird die Weihnachtszeit trotz Ängsten angenehm

Halten wir fest: Es ist nicht für alle Menschen eine fröhliche Weihnachtszeit. Die Vorfreude auf Weihnachten, Kekse backen und Geschenke besorgen – Was für viele zur Vorweihnachtszeit dazu gehört, ist zwar für uns alle manchmal anstrengend, aber manche Menschen mit Angststörungen bereiten sich gleichzeitig auf eine der schwierigsten Zeiten vor.

Für die meisten Menschen ist Weihnachten wahrscheinlich Familienzeit: Von den Liebsten umgeben wird sich unterhalten, gegessen, oder der Weihnachtsbaum geschmückt. Doch gerade das ist für einige Angstpatienten eine harte Probe. Für Betroffene einer Panikstörung oder sozialen Phobie ist diese Zeit manchmal schwieriger, sodass sie die besinnliche Zeit meist nicht so, wie viele andere genießen. 

Wir haben mit Diplom-Theologe Ludger Storch, Leiter der TelefonSeelsorge Bochum gesprochen und auch er sagt: “Derzeit erleben wir wieder verstärkt Anrufe, bei denen es um Ängste geht.” Da spiele vor allem auch die Corona-Zeit mit rein, da viele sich Sorgen um Einsamkeit machen und ob sie unter den derzeitigen Bedingungen überhaupt Weihnachten feiern können. 

Unsere Patientinnen und Patienten berichten außerdem von typischen Situationen, die Angst machen können und an den traditionellen Festtagen fast unumgänglich sind:

Die Fahrt zu der Familie

Angefangen mit den Besuchen der engen Familie oder der Verwandten: Viele legen kurz vor Weihnachten lange Wege zurück. Wer da auf Auto, Bus oder Bahn angewiesen ist und längere Fahrten in Kauf nehmen muss, fängt eventuell schon einige Wochen vorher damit an, den Tag im Kopf mehrmals durchzugehen. Denn gerade Betroffene einer Agoraphobie oder Panikstörung haben Angst, mit dem Auto oder der Bahn zu fahren und müssen sich zu Weihnachten genau dieser Angst stellen. So wird für Betroffene selbst eine kurze Reise manchmal zu einem schier unüberwindlichen Hindernis.

Gemeinsames Essen

Ebenso löst das gemeinsame Essen für manche Betroffene Unbehagen und Angst aus. Vor allem Menschen mit sozialer Phobie haben es manchmal schwer, in größeren Gruppen zu essen, da sie Angst haben, sich dabei zu blamieren und alle Blicke auf sich zu ziehen. Ein gemeinsames Essen wird da manchmal zu einer harten Probe.

Die Bescherung

Eine weitere typische angstbehaftete Situation für Menschen mit sozialer Phobie findet unterm Weihnachtsbaum statt: Geschenke überreichen und auspacken. Für viele ist auch das Besorgen der Geschenke schon sehr nervenzehrend, da sie auf keinen Fall etwas Falsches kaufen wollen. Deshalb ist der Druck beim Überreichen und Zusehen des 

Auspackens besonders hoch und löst eventuell starke Angst bei den Betroffenen aus. Ebenso ist das Auspacken der eigenen Geschenke für Manche schwierig: Alle Augen sind auf einen gerichtet und die Angst rot zu werden oder sich zu blamieren steht im Vordergrund.

Kirchenbesuche oder Aufführungen

Kirchenbesuche oder Aufführungen stellen für einige Patientinnen und Patienten große Herausforderungen dar. Besonders für Betroffene einer Agoraphobie oder Panikstörung sind das sehr angstbehaftete Situationen, die unter Umständen starke Ängste und Panikattacken hervorrufen können. In einem Raum voller Menschen, eingeengt auf der Kirchenbank sitzen, aus dem man nicht sofort heraus kann, mach den Betroffenen besonders Angst.

Weihnachtszeit in Einsamkeit

Im Gegensatz zu den Menschen, die Zeit mit ihren Familien verbringen, gibt es aber auch sehr viele Menschen, die Weihnachten unfreiwillig allein zu Hause sind. Für sie kehrt eine unangenehme Ruhe ein: Ruhe zum Nachdenken und damit viel Platz für die Angst. Ablenkung durch Alltag, Job oder Freunde fallen weg und die Angst macht sich breit. Dazu ist dieser Winter zusätzlich durch Corona geprägt, wodurch wahrscheinlich mehr Menschen Weihnachten allein verbringen werden.

Doch wie kannst du die Weihnachtszeit trotz Angststörung nun überstehen und trotzdem Weihnachtsklassiker mitsingen und dich auf eine besinnliche Zeit freuen? Wir verraten dir, wie du das Beste aus Weihnachten für dich herausholen kannst!

Das kannst du tun!

Dieser Teil richtet sich besonders an dich, wenn du bereits etwas gegen deine Angst unternimmst, vielleicht bereits eine Therapie begonnen hast und schon etwas über deine Angst weißt. Falls noch nicht, haben wir gute Tipps im nächsten abschnitt für dich.

Auch wenn die Weihnachtszeit schwierig für dich ist, kannst du dennoch vielleicht etwas Positives daraus ziehen und sie gut für Übungen oder Experimente einsetzen. Besprich mit deiner Therapeutin oder deinem Therapeuten, ob und wie du die Situation möglichst gut für dich nutzen kannst. 

Sei stolz auf dich!

Gerade zum Ende des Jahres wird auf das vergangene Jahr zurückgeblickt und über sich nachgedacht. Nutze auch du die Zeit und reflektiere dich: Richte dabei den Blick vor allem auf die Dinge, die dir gut gelungen sind. Was hast du alles erreicht während der Bekämpfung deiner Angst? Dabei geht es nicht nur um die riesigen Erfolge. Jeder kleine Schritt zählt hier: Hast du die Angst als Problem erkannt? Hast du eine Therapie begonnen? Oder gar erste Expos gemeistert? Dann kannst du stolz auf dich sein und es als großes Weihnachtsgeschenk an dich sehen.

Übe weiter mit Invirto

Vielleicht bist du ja bereits gemeinsam mit Invirto auf den Fersen deiner Angst. Dafür eignet sich die freie Zeit über Weihnachten besonders gut: Wenn alle Geschenke ausgepackt sind, die Bäuche vollgeschlagen und der Besuch der Verwandten wieder verschwunden ist, bleibt Zeit für dich. Und weil im Alltag die Zeit dafür oft begrenzt ist, kannst du dich nun voll und ganz um die Invirto Therapie kümmern, weiterüben und mehr über deine Angst erfahren. Also nichts wie los!

Und ganz wichtig: Wenn dir sonst im Alltag nicht viel Zeit für dich bleibt, dann fordere sie gerade jetzt von Familie, deiner Partnerin oder deinem Partner auch mal ein. Erkläre, dass die nächsten 2 Stunden ganz dir gehören und du danach wieder für die anderen da bist. So schaffst du es auch während den Feiertagen, Fortschritte beim Besiegen deiner Angst zu machen.

Du hast Angst oder machst dir Sorgen vor/während der Weihnachtszeit?

Wenn du noch keine Therapie begonnen hast, aber Ängste verspürst und dir Sorgen über die Weihnachtszeit machst, haben wir ebenfalls ein paar Ratschläge für dich:

Sprich über deine Sorgen

Das ist immer einfacher gesagt als getan, aber dennoch sehr wichtig. Vertraue deine Sorgen und Ängste einer nahestehenden Person an. Sie kann dir zuhören und Unterstützung bieten, damit du dich während der Weihnachtszeit nicht allein mit deinen Ängsten fühlst.

Hör auf dich und deinen Körper

Dein Bauchgefühl sagt dir, dass du dich am liebsten verkriechen und Weihnachten allein mit deinem Lieblingsbuch auf dem Sofa verbringen möchtest? Dann mach es genauso! 

Vielleicht sehnst du dich trotzdem nach deiner Familie und hast viele Sorgen, die in deinem Kopf herumschwirren? Dann verabrede dich zu Telefonaten mit ihnen oder plane Videogespräche – so könnt ihr euch trotzdem nah sein.

Oder dir hilft eventuell das “Ein guter Winter Tagebuch”. Hier kannst du deine Gedanken festhalten und auch während der Feiertage deinem Alltag etwas Struktur geben.

Such dir Hilfe bei Invirto

Wenn du bereits vermutest, an einer Angststörung zu leiden, ruf unsere Therapiebegleitung an. Wir helfen dir, einen Diagnosetermin mit unseren kooperierenden Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten zu vereinbaren, damit du schnell eine Therapie beginnen kannst, die du dann ganz einfach von zu Hause aus absolvieren kannst. 

Nimm dir den Druck raus!

Ganz egal, ob du nun schon Erfahrungen mit deinen Ängsten hast, oder noch ganz am Anfang des Weges gegen deine Angst stehst: Weihnachten steht für alle vor der Tür. Und da solltest du vor allem eins machen: Das, was dir gut tut!

Ob das nun der Besuch bei deiner Familie mit festlichem Dinner und Bescherung oder doch lieber daheim auf dem Sofa, mit dem Glühwein in der Hand den Lieblings-Weihnachtsfilm schauen – es gibt, wenn es um dein Wohlbefinden geht, kein Richtig oder Falsch. Du hast es verdient, dass es dir gut geht.

Mach es dir gemütlich, hör die Weihnachts-Playlist auf Spotify hoch und runter – oder mach einfach etwas anderes, ganz abseits der Tradition! Deiner Fantasie und Umsetzung sind da keine Grenzen gesetzt. Wir empfehlen ebenfalls die Tipps im unterhaltsamen Video der Techniker Krankenkasse! Und auch wenn du einfach einen Spaziergang machst, dir eine Pizza bestellst und mit deiner Familie telefonierst, kann das ein genauso schönes Weihnachtsfest sein – und zwar so, wie es dir gefällt. 

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